Mit dem Jahressteuergesetz 2020 wurde das Dienstrad in Österreich möglich

Politische Kommunikation bei JobRad Österreich

Kategorie

Für Arbeitgeber, Für Arbeitnehmer:innen, Für Fachhändler

Themenschwerpunkt

Fahrradleasing

Datum

April 2024

Im Interview: Josefine Wickenbrock, Referentin für Politische Kommunikation bei JobRad Österreich, über den aktuellen Stand des Dienstrads.

"Aktuell gibt es noch einige Hürden, die das Dienstrad daran hindern sein volles Potential zu entfalten. Leider ist für viele Beschäftigte ein Dienstrad noch nicht möglich, dass gilt sowohl bei privaten Arbeitgebern als auch im Öffentlichen Dienst."

Josefine Wickenbrock

Referentin Politische Kommunikation

Josefine, bei JobRad habt ihr das Ziel, leistbare Mobilität für alle zu fördern – wie steht es damit beim Dienstrad? Sind wir schon angekommen?
Ich würde sagen: Wir sind auf dem Weg. Seit das Dienstrad mit dem Jahressteuergesetz 2020 in Österreich möglich wurde, wird es immer beliebter. Man muss sich nur einmal Stellenanzeigen ansehen: Immer weniger kommen ohne Dienstrad als Benefit aus.

Immer mehr Arbeitgeber erkennen, dass sie mit einem Dienstradangebot Fachkräfte gewinnen und halten können – und dabei Gutes für die Mitarbeitendengesundheit und die Umwelt tun. Gleichzeitig fragen immer mehr Arbeitnehmer:innen nach Diensträdern.

Das klingt nach einem Selbstläufer. Wieso denkst du, dass wir uns noch auf dem Weg befinden?
Aktuell gibt es noch einige Hürden, die das Firmenrad daran hindern sein volles Potential zu entfalten. Leider ist für viele Beschäftigte ein Dienstrad noch nicht möglich, dass gilt sowohl bei privaten Arbeitgebern als auch beim Öffentlichen Dienst.

Diensträder sind schon lange ein gängiger Begriff in der Gesellschaft

Wie kommt das? Arbeitgeber haben offensichtlich ein großes Interesse daran, ihren Beschäftigten Diensträder anzubieten.
Ja. Nur steht dem im Augenblick meistens noch der Kollektivvertrag entgegen. Dienstradleasing funktioniert nach dem Prinzip der Gehaltsumwandlung. Das heißt praktisch: Ich als Beschäftigte stimme zu, einen kleinen Teil meines Gehalts umzuwandeln, damit daraus die Raten für das Dienstrad geleistet werden. Durch diese Wandlung entsteht der Steuervorteil.

Leider sind Mitarbeitende die keine Überzahlung erhalten, sondern nur nach Kollektivvertrag bezahlt werden, aktuell noch vom Dienstradleasing-Modell ausgeschlossen. Viele Betriebe verzichten deshalb noch darauf, Dienstradleasing einzuführen, um nicht einen Teil ihrer Belegschaft zu benachteiligen.

Und was sind die Hindernisse im Öffentlichen Dienst?
Das kommt darauf an. Im Bundesdienst sind es vor allem zwei Hürden. Die erste: Als Beschäftigte muss ich einen Dienstweg haben, um für ein Dienstrad berechtigt zu sein – und die Fahrt zur Arbeit zählt nicht als Dienstweg. Damit sind viele Berufsgruppen von vorneherein ausgeschlossen. Die zweite Hürde: Der Arbeitgeber muss mindestens 50 % der Kosten übernehmen. Dazu sind aktuell nur wenige bereit oder in der finanziellen Lage.

Bei den Ländern ist es so, dass derzeit schlicht noch die Regelungen fehlen. Gleichzeitig ist der Wunsch nach Diensträdern groß. Das zeigt das Beispiel von Vorarlberg, das seit einigen Monaten – wenn auch mit Einschränkungen – Dienstradleasing möglich macht.

Immer mehr Arbeitgeber erkennen, dass sie mit einem Dienstradangebot Fachkräfte gewinnen

Könnte Vorarlberg ein Vorbild sein?
Leider nein. Die Struktur des Vorarlberger Modells – das unter anderem eine Leasinglaufzeit von 5 Jahren vorsieht – ist weder für uns noch einen anderen Dienstradanbieter abbildbar. Mit der Folge, dass viele Gemeinden das Thema JobRad selbst managen. Einen solchen Aufwand, glauben wir, könnten nur wenige Behörden stemmen. Und hätten wir einheitliche, praktikable Rahmenbedingungen wäre er auch unnötig.

In unserem im Dezember 2023 veröffentlichen Positionspapier schlagen wir vor, wie diese aussehen könnten.

Wie sind die Rückmeldungen zum Positionspapier?
Sehr positiv. Wir sind im Gespräch mit allen, die beim erfolgreichen Dienstradleasing dazu gehören – mit Politik und Verwaltung ebenso wie mit Gewerkschaften und Verbänden, bis hinauf in die höchsten Ebenen wie zum Beispiel mit Klimaschutzministerin Gewessler und dem Büro des Vizekanzlers Kogler.

Überall treffen wir auf großes Interesse und eine große Bereitschaft, Dinge anzugehen. Und übrigens auch großes Fachwissen: Vor zwei, drei Jahren mussten wir Dienstradleasing oft noch erklären, heute kennen unsere Gesprächspartner das Dienstrad und wissen, welchen wichtigen Beitrag es für uns als Gesellschaft leisten kann. Das macht mich sehr optimistisch!

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was sind für dich die Highlights bei deiner Arbeit?

Natürlich der Sinn. Fahrrad macht schlicht Sinn. Und dann die vielen Menschen, die ich treffe. In Österreich kommt man deutlich schneller in den Austausch als in Deutschland, gerade auch mit Menschen in höheren Positionen, und kann sie begeistern. Das macht mir große Freude!

Sie möchten in Ihrem Unternehmen JobRad anbieten? Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.