Wien Work zählt zu den acht Integrativen Betrieben Österreichs, die Menschen mit Behinderungen dauerhaft beschäftigen und ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Mit über 820 Mitarbeitenden an verschiedenen Standorten in Wien bietet das Unternehmen von Gastronomie über Holztechnik bis hin zu Reinigungsservices ein breites Spektrum an Leistungen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Christoph Parak, wie der Integrative Betrieb Dienstradleasing umsetzt.
Wir zahlen 15 Euro pro Monat als Arbeitgeber dazu. Insbesondere für die Beschäftigten mit einem niedrigeren Einkommen lohnt sich ein JobRad damit noch mehr.
Christoph Parak
Wien Work, Geschäftsführer
Seit wann bietet Wien Work JobRad® an und wie kam es dazu?
JobRad® machen wir jetzt ein gutes Jahr. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir uns dazu entschlossen und den Prozess eingeleitet haben. In der Prioritätenliste stand es anfangs nicht ganz oben, muss man ehrlich sagen. Aber dann kamen immer wieder Nachfragen von Kolleginnen und Kollegen: "Wann ist es denn so weit?"
Wir haben uns natürlich auch über die rechtlichen Rahmenbedingungen informiert. Da haben wir als Integrativer Betrieb eine Sonderstellung, da wir keinem Tarifvertrag per se unterliegen, sondern das Entgelt relativ frei gestalten können. In unserer Betriebsvereinbarung orientieren wir uns an für uns relevanten Tarifverträgen.
Wie kommt das Angebot bei der Belegschaft an?
Aktuell nutzen etwa 35 Personen das Angebot. Aber man muss auch sagen: Unsere zentrale Aufgabe ist es, Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen, und da fallen natürlich einige raus, für die Fahrradfahren nicht in Frage kommt. Gleichzeitig sind wir ein sehr vielseitiges Unternehmen mit verschiedenen Tätigkeitsfeldern. Dort, wo eher jüngere, sozialarbeiterisch tätige Menschen arbeiten, kommt JobRad® am besten an.
Sie haben die Unterlagen in einfache Sprache umgesetzt. Wieso das?
Weil wir auch kognitiv eingeschränkte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Für die wollten wir die Unterlagen leichter zugänglich machen. Zusätzlich haben wir angeboten, dass unsere betriebsinterne Sozialarbeit bei Bedarf zur Verfügung steht, um Unterstützung zu leisten. Das Dienstradleasing ist etwas, was man so nicht kennt.
Bereits 35 Personen nutzen bei Wien Work ein Dienstrad.
Wien Work gibt einen monatlichen Zuschuss. Was steckt dahinter?
Wir zahlen 15 Euro pro Monat als Arbeitgeber dazu. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn sich jemand ein günstiges Rad um 1.000 Euro nimmt, bleibt nicht mehr allzu viel eigener Anteil übrig und die Mitarbeiter:innen sparen. Insbesondere für die Beschäftigten mit einem niedrigeren Einkommen lohnt sich ein JobRad damit noch mehr.
Dazu haben wir auch eine Grenze beim Höchstpreis von 6.000 Euro eingezogen. Damit geht sich ein gutes E-Bike mehr als aus.
Welche Art von Rädern sind bei Ihren Mitarbeitenden besonders beliebt?
Vorwiegend E-Bikes. Das macht auch Sinn – man kommt nicht verschwitzt, sondern entspannt an. Das ist doch wichtig, wenn man das Rad für den Arbeitsweg nutzt und am Arbeitsplatz nicht gleich duschen kann oder will.
Welche Rolle spielt das Fahrrad für Wien Work insgesamt?
Ich finde, man muss das Rad unterstützen – gerade in einer Großstadt wie Wien, wo Autofahren wenig Zukunft hat. Es gibt auch einen Anteil an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit dem Auto herkommen, und da wollen wir eine Alternative aufzeigen. Und natürlich ist es – wie bei jeder Firma auch, gerade in der Sozialbranche – ein Thema der Arbeitgeberattraktivität. Die Sozialwirtschaft ist nicht unbedingt dafür bekannt, dass üppige Gehälter gezahlt werden. Da hilft es natürlich, wenn wir zum Beispiel bei Stelleninseraten mit freiwilligen Sozialleistungen punkten.